In ihrer Rede vor dem Stadtrat erinnert Michaela Taghi Aghdiri daran, dass die anstehenden Investitionen in Millionenhöhe in die Kinderbetreuung nicht nur einen Standortvorteil für Bruchsal erwirken, sondern dass 'jeder Euro, den wir für unsere Kinder ausgeben, die beste Anlage ist, die eine Stadt tätigen kann':
Meine letzte Stellungnahme in dieser Sache hatte ich unter die Überschrift „Auf den Anfang kommt es an“ gestellt. Der Anfang ist gemacht und wir nehmen heute einen ersten Zwischenbericht zur Kenntnis. Die genannten Zahlen erschrecken, obgleich wir wussten, dass Kinderbetreuung die Stadt teuer zu stehen kommt. Es ist von Investitionen i.H.v. 12 Mio. € und einer Verdoppelung der Betriebskosten die Rede. Aber es handelt sich hier nicht um Freiwilligkeitsleistungen, sondern um die Umsetzung eines Gesetzes. Darin sollten wir geübt sein, ich darf an die Umsetzung der Brandschutzvorschriften in öffentlichen Gebäuden (Schulen), Kanalsanierungen etc. erinnern
Sorgen machen mir derzeit fehlende Plätze für Kinder von 3 – 6 Jahren, die wir ebenfalls verpflichtend vorhalten müssen. Ich wurde schon wiederholt auf Wartelisten in Bruchsaler Kindergärten angesprochen, die Vorlage liefert hier ebenfalls Hinweise darauf.
Unstrittig ist, dass sich die Rahmenbedingungen in den Kindergärten geändert haben. Es müssen Sprachstandserhebungen gemacht werden, der Orientierungsplan muss umgesetzt werden, Entwicklungsbeobachtung und Entwicklungsgespräche mit den Eltern sind verpflichtend. Bestehende Regelgruppen werden bedarfsgerecht umgewandelt in Ganztagesgruppen oder Gruppen mit verlängerten Öffnungszeiten. Dies alles verringert natürlich die Gruppengröße und erklärt so die fehlenden Plätze. Nichts desto Trotz muss auch dieses Problem angegangen werden.
Zusätzlich müssen für Kinder unter 3 Jahren bis 2013 220 neue Betreuungsplätze geschaffen werden. Die Zahlen verdeutlichen, vor welchem Kraftakt wir in den kommenden Jahren stehen. Sie verdeutlichen auch, wie viel Mehrarbeit auf das Amt für Familie, Schulen und Sport einströmt, das, wie der Name schon sagt, sich nicht nur um Kinderbetreuung kümmern muss. Wir sind deshalb froh, mit Herrn Bauch von der Kommunalentwicklung, einen kompetenten Partner zu haben.
Längst schon ist erwiesen, dass das Vorhandensein von Kinderbetreuungsplätze an oberer Stelle steht, wenn junge Familien eine Ansiedlung planen. Hier haben sich in den letzten Jahren die Gewichtungen gewaltig verschoben. Kinderbetreuung ist ein Standortvorteil. Wir würden es deshalb sehr begrüßen, wenn auch Bruchsaler Firmen sich um dieses Thema annehmen würden und die Schaffung eines Betriebskindergartens/horts angehen würden.
Was jetzt das verkehrteste wäre, ist, dieses Thema nur an den Kosten festzumachen. Wir sollten es als große Chance begreifen, unsere Stadt vorwärts zu bringen. Wie oft haben wir schon über den demographischen Wandel diskutiert. Hier haben wir nun die Möglichkeit, dem entgegenzuwirken. Machen wir unsere Stadt, wie von allen Parteien immer wieder gefordert, familienfreundlich. Geben wir jungen Menschen die Möglichkeit sich für Kinder und Berufstätigkeit zu entscheiden. Das wird bei der Kleinkinderbetreuung nicht enden, sondern sich über die gesamte Schulzeit – Stichwort Ganztagesschulen – hinziehen. Wir, von der SPD, setzen uns schon seit Jahren dafür ein. Wir sind deshalb froh, endlich auf diesem Weg zu sein.
Noch ein Wort zu den Kosten.
Auch uns ist bewusst, dass man das Geld nur einmal ausgeben kann. Allerdings sollte man jetzt nicht Einsparungen hauptsächlich im Sozialbereich suchen. Wir werden uns in Zukunft überlegen müssen, ob wünschenswerte aber nicht absolut notwendige Investitionen in Straßen(anbindungen), Parkplätze oder Plätze sofort gemacht werden müssen.
Wir können den Geldwert, der uns durch Investitionen in unsere Kinder erwirtschaftet wird, nicht in Zahlen fassen. Das erschwert für manchen die Zustimmung. Aber wir sollten uns darüber im Klaren sein, dass jeder Euro, den wir für unsere Kinder ausgeben, die beste Anlage ist, die eine Stadt tätigen kann.
Wir bedanken uns beim Amt für Familie, Schulen und Sport sowie bei Herrn Bauch von der KE für die bisher geleistete Arbeit und freuen uns, die weiteren Schritte begleiten zu können.
27.01.09
Michaela Taghi Aghdiri