Trauerrede für Helga Langrock

Veröffentlicht am 04.12.2024 in Stadtverband

Vorgetragen von Alexandra Nohl

„Es gibt zu wenig ROT in Bruchsal!“, sagte Helga und meinte damit die Luft nach oben, in sozialen Themen und den Sozialdemokratischen Werten im damals schwarzen Bruchsal. Immer auf der Suche nach Verbesserungsmöglichkeiten.

Liebe Angehörige, werte Trauergemeinde, liebe Genossinnen und Genossen, 

heute nehmen wir Abschied von einer außergewöhnlichen Frau, die uns allen auf die eine oder andere Weise geprägt hat: unserer Genossin Helga Langrock. Als Teil der SPD-Fraktion im Gemeinderat und als Genossin stehe ich hier mit einem traurigen, aber auch dankbaren Herzen. 

Für mich war Helga nicht nur Sozialdemokratin und Genossin, sondern auch ein Vorbild an Haltung und Geradlinigkeit. Bei ihr zählten die Bürger und vor allem die Bürgerinnen.

Meine Vorrednerinnen haben Helgas beeindruckendes Engagement, ihre Auszeichnungen und ihre unermüdliche Arbeit in unzähligen Gremien und Ausschüssen bereits gewürdigt.– ich bin mir sicher, Helga hätte es ohnehin zu nüchtern gefunden, wenn wir zu viel auf ihre Errungenschaften pochen.
1980 wurde Helga zum ersten Mal in den Gemeinderat gewählt und stellte mit wenigen Frauen eine Minderheit dar. Für Helga war es aber nicht die Frage, und hier zitiere ich, „wie viele Frauen im Gremium waren, sondern wie schrecklich die Männern darin waren.“ 

Ob Frauen, Radfahren, Klima- und Umweltschutz: Helga war eine Frau mit Haltung und Vordenkerin. Sie war ihrer Zeit oft voraus. Sie hat Impulse gesetzt, die uns nachdenklich gemacht haben; Sie hat sich Themen gewidmet, die damals – lange bevor es „woke“ wurde – nicht immer auf der bequemen Seite der Gesellschaft lagen. Und bis heute noch nicht erledigt sind. 
„Wer Frauen will, muss Frauen wählen!“, war ihr Motto.
Erinnerungskultur, Völkerverständigung, faire Handelsabkommen und der Kampf gegen Rechts – Helga hat nicht nur darüber geredet, sie hat gehandelt. Mit Akribie, Herzblut, Hartnäckigkeit und, sagen wir es ehrlich: manchmal auch einem gewissen Dogmatismus, der uns alle hin und wieder herausgefordert hat.
Helga hatte ihren eigenen Wille und konnte wahrlich nicht als linientreu bezeichnet werden.
Klare Position, klare Haltung, die hat sie gelebt, auch wenn es unbequem wurde, nicht mit lauten Parolen, das konnte sie auch, sondern mit Beharrlichkeit und Präzision, Loyalität, Einsatz und enormen Fleiß.

Und bei allem Handeln war eines klar: Es ging ihr um das Gemeinwohl, nicht um sich selbst.

Manchmal kämpfte sie verbittert für ihre Themen, durchaus dogmatisch, vor allem bei bestimmten Herren.

Hartnäckig und leidenschaftlich, akribisch und interessiert so nahm sie ihre Ämter wahr, als stellvertrende FV und Schriftführerin der Fraktion, mit Steno Kenntnissen und grammatikalisch, sowie orthographisch versiert. 

Und manchmal, ja, hat sie uns mit ihrem Perfektionismus ein bisschen in den Wahnsinn getrieben. 
Helga konnte in einem Nebensatz eine ganze Fraktion auf Trab bringen – und zwar sowohl inhaltlich als auch, weil wir uns alle dachten: „Hätte ich nur vorher meinen Text nochmal durchgelesen.“ Genauigkeit ist auch eine Frage des Respekts.
Helga war nicht nur eine Politikerin und Aktivistin, sie war vor allem eine einzigartige Persönlichkeit. Sie war engagiert, leidenschaftlich, und, ja, vielleicht nicht unbedingt der Typ für große Umarmungen, Handschlag oder überschwängliche Gefühlsausbrüche. Aber eine Frau mit Haltung, wenn man ihr nahe war, spürte man sofort: Da ist jemand, die es ernst meint – mit ihren Überzeugungen, mit ihrer Verantwortung, mit ihrer -oft spröden- Menschlichkeit.
Das forderte sie auch von anderen ein! 

Helga liebte das Radfahren. Das Radfahren war nicht nur Fortbewegungsmittel, sondern Lebensphilosophie- immer in Bewegung, immer das Ziel vor Augen um sich den Herausforderungen auf dem Weg zu stellen. Ihr Tempo war dabei – wie in ihrem Leben – nicht unbedingt gemächlich. Helga wusste, wo sie hinwollte, und sie hatte keine Zeit für Umwege. „Das Ziel ist klar“, hat sie uns gelehrt. „Aber nimm dir die Freiheit, den Weg zu genießen.“  Und das alles ohne Motor, bis zum Schluss! 

Sie wies auf Mängel hin, mit dem Beginn ihrer Ratstätigkeit, dabei ging es nicht nur um kleine Verbesserungen, sondern um das Große und Ganze im ganzen Landkreis.

Wege die sie beschritten hat trat sie immer mit großer Ernsthaftigkeit an, wohlwissend, der Widerstand kommt - ihre Ziele steckte sie langfristig, wie beim Marathon: Sie hat sie im Gremium benannt und dann verfolgt mit ihren sehr genauen Vorstellungen und dem ein oder anderen Zwischenruf.

Und natürlich dürfen wir nicht vergessen, dass sie nicht nur uns, sondern auch ihrer Familie eine wertvolle Weggefährtin war. 
Liebe Ute, lieber Peter, liebe Paula: Vielleicht ist aber auch Pfadfinderin der bessere Begriff, denn den Weg hat sie vorgegeben.
Mit ihrem Mann Ernst teilte sie die Sozialdemokratie und ging mit ihm die gemeinsame Leidenschaft für Kultur und Bildung.
16 Jahre war Helga auch für ihre SPD im Kreistag tätig: neben wichtigen politischen Themen, beschäftigte Sie bei wechselnden Tagungsorten: 1. Wie komme ich klimaneutral zur Sitzung, 2. Wie komme ich wieder zurück und vor allem 3. Wie komme ich rechtzeitig donnerstags zur Orchesterprobe Pünktlichkeit war ein Prinzip

Die Liebe zur Musik war ein Ausdruck ihrer Persönlichkeit. Als Geigerin im Orchester bewies sie, dass sie nicht nur im politischen, sondern auch im musikalischen Sinne den richtigen Ton treffen konnte – auch wenn das vielleicht nicht immer ein leiser Ton war. So war ihre Geige oft mit in den KT Sitzungen dabei- Sie spielte die Erste Geige! und gab den Ton vor.
Helga hat uns gelehrt, wie wichtig es ist, für die eigenen Überzeugungen einzustehen, Haltung zu zeigen, getreu dem Motto „ohne Frauen ist kein Staat zu machen“  – auch dann, wenn es unbequem wird. 
 
Als sie vor einigen Jahren begann, ihre Ämter nach und nach abzugeben, machte sie Platz für neue Stimmen – mit der klaren Erwartung, dass diese Stimmen ihre Arbeit fortsetzen und weiterdenken. Ihre Ehrenämter waren ihr Lebensinhalt. 

Und so hat sie uns schon vor einigen Jahren ein Stück weit verlassen, als sie sich aus der aktiven Politik zurückzog. die Lücke, die sie hinterlässt, ist immer noch spürbar. Wir werden ihre Ideen, Impulse und ihre Themen weiterverfolgen. 

Helga, du warst nicht immer bequem – aber du warst unverzichtbar. Dein Humor war trocken, dein Blick kritisch, dein Herz groß. Wir werden dich vermissen – und gleichzeitig sind wir dir dankbar für alles, was du uns gegeben hast: deine Impulse, deine Werte und deinen unbeirrbaren Glauben daran, dass die Welt ein besserer Ort sein kann, wenn man nur hart genug daran arbeitet. An deiner Haltung gab es nichts zu rütteln.

Bella ciao, liebe Helga – und falls es, wo auch immer du dich befindest, Fahrräder gibt, dann nimm das schnellste und zeig allen, wo’s langgeht.
 

 

Christian Holzer - Ihr Landtagskandidat

SPD-Gemeinderatsfraktion

 

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